Lass dich nicht therapieren- sei dein eigener Therapeut

Lass dich nicht therapieren- sei dein eigener Therapeut

Laß dich nicht therapieren-sei dein eigener Therapeut
Das hier ist ein keiner Erfahrungsbericht für alle, die stottern und keinen Bock auf Therapie haben, aber gerne flüssiger sprechen würden.Ich habe seit meiner Kindheit gestottert, teilweise stark, teilweise weniger, je nach Tagesform und Umständen. Manchmal hat es mich nicht so gestört, bei Freunden und wenn jemand sich Zeit zum Zuhören genommen hat. Manchmal war es die Hölle: in der Schule, beim Vorlesen, beim Gedichte aufsagen (ich mag Gedichte) oder wenn ich Wütend war, jemandem etwas an den Kopf schleudern wollte, sogar die richtigen Worte parat hatte aber sie kamen nur als zerstückelte Fragmente heraus. Jeder kennt das, sich wie ein Idiot zu fühlen, weil man etwas sagen möchte, aber die richtigen Worte nicht findet, weil die Emotionen die Sprache überlagern, wenn man verliebt ist oder wütend oder von einem anderen Gefühl überwältigt. Stotterer kennen noch etwas anderes, es ist keine Ausnahmesituation, sondern ihr Alltag: Sich wie ein Idiot zu fühlen, weil man die richtigen Worte findet, sie so genau vor sich hat, als ständen sie von innen gegen die Stirn geschrieben, aber sie nicht sagen kann. Man kann es versuchen, kann sich über die Laute hinwegkämpfen, kann schwer auszusprechende Wöter durch andere mit synonymer Bedeutung ersetzen – und wird anschließend oft genug auch noch wie ein Idiot behandelt. Und genau darum habe ich mich als Kind und Teenager allen Besuchen beim Logopäden verweigert. Natürlich wollten meine Eltern mir durch Sprachtherapien helfen, aber je offensiver ich gedrängt wurde, mich heilen zu lassen, desto stärker habe ich mich dagegen gewehrt, als defekter Mensch behandelt zu werden. Also keine Therapie. Dann lieber stottern.
Nach der Schulzeit wurde es deutlich besser. Ich ging zur Uni, studierte Philosophie und machte die erleichternde Erfahrung, dass niemand mich urplötzlich öffentlich zum Reden aufforderte, dass ich nur dann etwas sagen mußte, wenn ich einen guten Tag hatte, und dass im Vordergrund stand, was ich sagte, nicht, wie ich es sagte. Das half. Ich habe in kleinen Gruppen kaum noch gestottert und vor größeren Gruppen kaum was gesagt und kam mir kaum noch idiotisch vor (außer, wenn ich verliebt war, aber das muß wohl so sein).
Ich habe einen guten Abschluß gemacht und war damit Philosophin. Als solche versucht man, in die Lehre und Forschung zu gehen. Und das bedeutet: Seminare geben (schluck!) und Vorträge halten (hilfe!). Nachdem mein erster Vortrag auf einem großen internationalen Kongreß ein apokalyptisches Desaster war, bin ich schließlich über meinen Schatten gesprungen und habe mir vorgenommen, mit einer logopädischen Praxis in Kontakt zu treten. Nachdem ich noch ein paar Schatten übersprungen und innere Schweinehunde niedergerungen hatte, war ich schließlich bei einer Logopädin, die sehr nett war, aber leider nicht sehr hilfreich. Und der nächste Vortrag stand vor der Tür. Vor Fachpublikum. Im Ausland. Keine Freunde dabei, die mir den Rücken stärken, falls es schiefgeht. Meine ganz private Vorstellung von der Hölle.
Einen Monat vor diesem Horrortermin habe ich ein 5-Tage-Seminar im swt mitgemacht. To make a long story short: Mein Vortrag war super! Ohne falsche Bescheidenheit kann ich sagen, dass ich von allen Rednern die wenigsten Stolperer und “äh”s hatte (ich hatte den Text sicherlich auch am meisten geübt).
Und darum geht an dieser Stelle nochmal ein riesiges Dankeschön an Ole Bruns. Ich wünsche Dir, dass Du weiterhin viele stotternde Menschen beim erlernen des flüssigen Sprechens unterstützen kannst, denn Du hast ein echtes Händchen dafür! Ich glaube, das liegt zum einen daran, dass Du offen und undogmatisch mit den verschiedenen “traditionellen” logopädischen Methoden und Theorien umgehst und mit jedem zusammen genau das heraussuchst, was hilft – und den Rest der Standartwerke unbekümmert links liegen lassen kannst. Zum anderen kannst Du die Spracharbeit aber vor allem darum so gut machen, weil Du es gerne machst, weil Du genau weißt, worum es geht und weil Dir darum jeder einzelne Fall am Herzen liegt. Und damit hast Du mir nicht nur den Horror vor dem öffentlichen Reden genommen, sondern dazu beigetragen, dass ich manchmal fast schon gerne vor Publikum rede. Lass

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