Wege aus dem Stottern – Unsere Meinung

Wege aus dem Stottern – Unsere Meinung

Wie sollte unserer Meinung nach eine Stottertherapie sein?

 

Ich bewerte, wie eine Stottertherapie zu sein hat, natürlich auch aus der Sicht des „Patienten“ und
seit vielen Jahren ebenso aus der Sicht des Sprachtherapeuten. Ich kenne also beide Standpunkte.
Ich habe so unterschiedliche Stottertherapien in meinem Leben besucht und kann daher aus dem
Vollen schöpfen. Uns ist es sehr wichtig, in kleinen Gruppen zu arbeiten, so können wir auf die
Bedürfnisse unserer Gäste individuell eingehen. Zum anderen ist es wichtig, dass jeder Gast genug
Zeit hat, um das Erlernte zu üben. Es bringt nicht so viel, wenn eine Vorstellungsrunde beispielsweise
1 Stunde dauert. Ich hatte mal das „Vergnügen“ in einem Kurs zu sitzen mit 42 weiteren Menschen.
Die Vorstellungrunde dauerte über 1,5 Stunden. Oft lese ich das Wort „Intensivkurs“, meine Frage ist,
was soll daran „intensiv“ sein? Wir haben maximal 3 Kursteilnehmer, diese Kursteilnehmer sollten
ungefähr im gleichen Alter sein. Da es nicht immer ganz einfach ist, gleichaltrige Kursteilnehmer
zusammen zustellen, kann es durchaus sein, dass es nur zwei Kursteilnehmer sind.
Eine Stottertherapie muss zu einem passen und muss daher auf die Kursteilnehmer abgestimmt sein. Ich pflichte
dem vollkommen bei, wenn es heißt: Es gibt nicht DIE Stottertherapie. Ich muss zu allen
Stottertherapien, die ich besucht habe, sagen: Keine war vollkommen vergeblich. Immer habe ich
irgendetwas gelernt. Die Frage, die sich da stellt, ist: Was erwarte ich von einer Stottertherapie? Ja
klar, nach der Stottertherapie stottere ich nicht mehr. Ist es das?
Zum anderen – und das erwähnte ich ja schon – sollte man die Zeit, die einem in einer Stottertherapie
bleibt, optimal nutzen. Ein wichtiger Lehrer von mir sagte einmal vor der Stottertherapie: „Ihr sollt
sprechen üben, nicht das Zuhören.“ Alle lachten, aber er hatte vollkommen Recht. Er sagte weiter:

„WAS ihr mir erzählt, ist mir vollkommen egal, aber redet! Übt!“ Mit jedem gesprochenen Wort wurde
es leichter und leichter. Mir war klar und das spürte ich: ‚Das musst du nun in Fleisch und Blut
bekommen!‘ Genau das ist es, was wir – ich und mein Team – mit unseren Gästen üben. Wir
bekommen regelmäßig die Bestätigung, dass das bei unseren Gästen genauso läuft. Wenn wir dann
merken, dass das von Tag zu Tag besser läuft, dann werden die Aufgaben, die wir unseren Gästen
stellen auch immer anspruchsvoller. Ich kann euch sagen, da entsteht eine Dynamik. Sagenhaft.
Eine gute Stottertherapie sollte auf jeden Fall auch die Möglichkeit der Nachsorge bieten. Es kann
immer zu einem Rückfall kommen, dann muss es die Möglichkeit geben, sich an jemanden zu
wenden. Darum ist das 1. Jahr die Nachsorge gewährleistet – natürlich kostenlos! Das ist ganz wichtig!
Es gibt so viele Stellschrauben einer guten Stottertherapie, das sind aber wohl erstmal die
Wichtigsten.

 

Welche Stottertherapien sind seriös?
Seriöse Therapieangebote für stotternde Menschen unterscheiden sich von unseriösen Angeboten
darin, dass:
➜ keine Heilung versprochen wird
➜ sie über eine ausreichende Dauer verfügen
➜ Übungen auch außerhalb des Therapieraums stattfinden
➜ Wert auf die Übertragung des Erlernten in den Alltag des Patienten gelegt wird
➜ ein Nachsorgeprogramm über einen langen Zeitraum angeboten wird und
➜ ein Programm für Rückfälle vorgesehen ist.

Fallen euch noch welche ein?

 

 

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